Dreimal im Jahr feiern neuapostolische Christen einen besonderen Gottesdienst - den Gottesdienst für Verstorbene, auch „Entschlafene“ genannt. Sie glauben daran, dass Verstorbene Seelen an diesem Sonntag an den drei Sakramenten und der Sündenvergebung teilnehmen können, egal wie ihr Leben hier auf der Welt aussah.
Am Sonntag den 03.03.24 besuchte Bischof Jörg Vester alle Gemeinden des Bezirkes in Söllingen. Die große Gemeinde feierte gemeinsam den besonderen Tag, der häufig so viele Gefühle zeitgleich hervorruft. Bereits Tage im Voraus denken die Gläubigen an die verschiedenen Gruppen der Verstorbenen, die im Himmel auf Erlösung warten. Es sind so viele Schicksale. Einige mussten viel zu früh gehen, konnten sich nicht verabschieden, sind sinnlos gestorben. Andere hatten ein langes und erfülltes Leben. Wieder andere wurden Opfer einer Gewalttat oder waren sogar Täter einer solchen. Und eine nicht geringe Zahl durfte das Licht der Welt nie erblicken und hat dennoch gelebt. Gott kennt sie alle, unsere Vorstellung endet bei einer solch riesigen Zahl. Doch wenn die Vorstellung endet, muss der Glaube beginnen. Priester Torben Halama durfte einen Predigtbeitrag beisteuern und sprach die Kindern mit einem schönen Bild an. Er erklärte, dass es ein paar freie Plätze in den Bänken gibt, die Kinder sollen sich einfach vorstellen, dass dort Menschen sitzen - Menschen die bereits verstorben sind aber heute am Gottesdienst teilnehmen. Menschen die sich hoffentlich wohl fühlen, die die Liebe der Gemeinde spüren und ab sofort immer kommen, um das Wort Gottes zu hören. Ein schönes Bild, denn die sowieso schon große Gemeinde war am Sonntag demnach in Wahrheit noch viel größer.
An einem solchen Gedenktag sind viele Emotionen im Raum: Trauer, Freude, Liebe und Leiden sind nah beieinander. Das Schöne, sie können geteilt werden! Die Musik des Chores und Orchesters halfen dabei, die Predigt zu umrahmen und die Anwesenden einzustimmen.
„Gotteskinder sehn’ sich nie zum letzten Mal“. Wie schön, wenn dieser Glaubenssatz für uns alle irgendwann erlebbar wird.